Open University – 3 Ansätze kurz vorgestellt

Der Begriff “Open” hat inzwischen seinen festen Platz in der Debatte um die Bildung der Zukunft. Open Science und Open Educational Resources werden häufig als wichtiger Bestandteil von zukunftsweisenden Bildungskonzepten angesehen.

Traditionell ist die “Open University” im weitesten Sinne mit der deutschen FernUniversität Hagen vergleichbar, in der Studierende sich beispielsweise neben der Berufstätigkeit akademisch weiterbilden können. In den letzten Jahren hat sich die Bedeutung des Begriffs “Open University” allerdings gewandelt und zielt inzwischen auch auf neue Ideen und Konzepte ab, welche die Hochschulen auf die Herausforderungen des 21. Jahrhundert vorbereiten sollen.

Die dritte Ausgabe der Veranstaltungsreihe Science & People in der Digital Eatery in Berlin hatte das Ziel, neuen Konzepte von “Openness” vorzustellen und zu diskutieren. Auf dem Podium trafen drei Akteure aufeinander, die mit verschiedenen Ansätzen daran arbeiten, ihre Vision von einer offenen Universität im 21. Jahrhundert zu realisieren: Dr. Ada Pellert, Präsidentin der Fernuniversität in Hagen, Dr. Sönke Knutzen, einer der Gründer der Hamburg Open Online University, und Dr. Deborah Schnabel, Initiatorin des Creative Learning Spaces.

Flexibles Studienangebot für lebenslanges Lernen

Das Konzept der FernUniversität Hagen, die nach Studierendenzahlen größte Universität Deutschlands, ist nah am traditionellen Begriff der “Open University”. Seit der Gründung im Jahr 1974 ermöglicht die Hochschule Studierenden in besonderen Lebenssituationen (z.B. während der Berufstätigkeit oder in Elternzeit), in einem flexiblen Modell akademische Fähigkeiten zu erlangen. Ada Pellert, die im März 2016 das Amt der Präsidentin an der Universität übernahm, sieht Offenheit als einen der Schlüssel für qualitativ hochwertige Lehre. Eine hohe Diversität der Studierendenschaft, offene Forschung und sektorübergreifende Partnerschaften könnten Synergien erzeugen, die dabei helfen, die eigene Mission zu erfüllen, so Pellert.

Radikal Offen: Die HOOU

Bei der Hamburg Open Online University (HOOU), einer Kooperation zwischen allen öffentlichen Hochschulen in Hamburg, wird ein geradezu radikaler Ansatz der Offenheit verfolgt: Anstelle von festgelegten Curricula konzentriert sich die Plattform auf offene Projekte, die soziale und wissenschaftliche Fragestellungen zum Thema haben.Die Projekte stehen nicht nur Studierenden verschiedener Fachrichtungen offen, sondern allen Menschen inner- und außerhalb der Universitäten, die sich neue Fähigkeiten aneignen wollen. Im Rahmen der Projekte werden offene Bildungsressourcen erstellt, die auch in anderen Kontexten genutzt werden können und sollen.Für Sönke Knutzen ist die Plattform an sich schon ein gutes Beispiel für die Möglichkeiten, die sich bieten, wenn sich Hochschulen offen für neue Ideen zeigen.

Creative Learning Space: Ein Raum für kreative Problemlösung

Offenheit ist allerdings nicht nur eine institutionelle Frage, sondern benötigt auch individuellen Kompetenzen. In einer hochautomatisierten Arbeitswelt wird die Fähigkeit zur kreativen Problemlösung immer mehr zur Schlüsselkompetenz. In nur wenigen Hochschulen ist diese Erkenntnis allerdings bisher angekommen, so Deborah Schnabel. Dies war für sie die Motivation, den Creative Learning Space zu gründen, einen offenen Thinktank für kreatives und digitales Lernen. Dabei wird auf den “inverted (oder flipped) classroom Ansatz zurückgegriffen, der die Teilnehmenden von passiven Rezipienten zu kreativen Wissensproduzenten macht.

Viele Wege zur offenen Hochschule

Was offensichtlich wurde: Es gibt nicht “die” offene Universität, sondern eine Vielzahl von Projekten und Ansätzen, die auf verschiedenen Ebenen dafür sorgen, das Ideal einer offenen Universität zu verwirklichen.Universitäten wie die FernUniversität in Hagen sind auf verschiedenen Ebenen gefordert, um Offenheit zu erreichen. Projekte wie die HOOU können die Zusammenarbeit zwischen den Universitäten Stärken und den Zugang für Menschen ohne akademischen Hintergrund erleichtern.

Offenheit benötigt allerdings auch eine spezielle Denkweise. Innovative Lehr- und Lernansätze, wie sie beispielsweise im Creative Learning Space entwickelt werden, können dabei helfen, das Potential zu realisieren.

Was aber auch offensichtlich wurde: Die Debatte um die Open University steht gerade erst am Anfang, bietet aber ein großes Potential, die Hochschulen zu modernen ganzheitlichen Lernorten der Zukunft zu machen.


Fabian Spörer Dies ist ein Gastbeitrag von Fabian Spörer. Fabian unterstützt als studentischer Mitarbeiter die Projektmanager des Hochschulforum Digitalisierung. Er ist Masterstudent am Centrum für soziale Investitionen und Innovationen der Universität Heidelberg. Seine Forschungsinteressen sind Einfluss von Technologien auf die Zivilgesellschaft und Ideen rund um gesellschaftliche Wirksamkeit (social impact). Fabian war ebenfalls an der Entwicklung einer Crowdfunding-Plattform für Umweltschutzprojekte beteiligt.

Advertisements

Kommentar verfassen

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s