Citizen Scientists kennen kein Sommerloch!

Citizen Science war das Thema der zweiten Veranstaltung von Science&People, die am 23. Juni in der Digital Eatery von Microsoft in Berlin stattfand. Trotz hochsommerlicher Temperaturen fanden sich mehr als 40 Leute zu dem von Wissenschaft im Dialog organisierten Abend ein, um gemeinsam mit den ReferentInnen über Citizen Science zu diskutieren.

Das Format des Abends war sehr interaktiv gewählt. Die Referenten hatten jeweils 10 Minuten Zeit, ihre Kurzvorträge zu halten. Das Publikum konnte dabei seine Fragen auf Karten schreiben, die der Moderator dann an die Referenten stellte. Im Anschluss an die Veranstaltung waren alle Teilnehmer eingeladen, sich in der Digital Eatery weiterhin miteinander auszutauschen und zu diskutieren.

Bei 35 Grad Celsius haben die klimatisierten Räume und Eis die gewünschte Abkühlung verschafft, um sich auf Vorträge zum Thema Citizen Science konzentrieren zu können.
Kühlen Kopf für Citizen Science: Abkühlung verschafften sich die TeilnehmerInnen bei 35 Grad Celsius mit Eis und klimatisierten Räumen in der Digital Eatery.

Citizen Science erfährt seit längerem mehr und mehr Aufmerksamkeit. Das hängt unter anderem mit der fortschreitenden Digitalisierung zusammen, die das Erheben, Sammeln und Auswerten unterschiedlichster Daten, beispielsweise mit dem Smartphone, stark vereinfacht.

Als erste Referentin gab Dr. Lisa Pettibone vom Museum für Naturkunde Berlin eine allgemeine Einführung in das Themengebiet und berichtete von ihrer Begleitforschung zu dem Projekt Bürger Schaffen Wissen – Wissen schafft Bürger (GEWISS). Sie machte deutlich, dass es für Citizen Science keine allgemein gültige Definition und damit auch unterschiedliche Auffassungen davon gibt, was Citizen Science ist und was nicht. Generell lässt sich das Konzept jedoch beschreiben als eine Form der Wissenschaft, bei der Bürgerinnen und Bürger einen Forschungsprozess aktiv mitgestalten oder eigenständig zu Themen forschen. Vom Erheben der Daten bis hin zur Konzeption neuer Forschungsfragen gibt es viele Schritte bei wissenschaftlichen Untersuchungen, an denen Bürgerinnen und Bürger sich beteiligen und so neues Wissen schaffen können.

Für Deutschland bietet die Webplattform www.buergerschaffenwissen.de einen Überblick über bestehende Citizen Science Projekte. Schaut man sich die Projekte dort an, fällt einem auf, dass die Mehrzahl der Projekte in den Bereich der Biodiversitätsforschung fallen. Es gibt aber auch Projekte aus den Geistes- und Sozialwissenschaften, wie beispielsweise das Projekt Artigo, bei dem Bürgerinnen und Bürger mittels eines Spiels Kunstwerke verschlagworten und so für die wissenschaftliche Recherche leichter zugänglich machen können.

Nach der allgemeinen Einführung durch Dr. Lisa Pettibone zeigten die beiden weiteren Referenten, Dr. Julia Schnetzer vom My Ocean Sampling Day und Dr. Arndt Pechstein von Biomimicry Germany, wie Citizen Science in der Praxis konkret aussehen kann und was für Herausforderungen sich aus der Zusammenarbeit von professionellen WissenschaftlerInnen mit BürgerwissenschaftlerInnen ergeben.

Im Citizen Science-Projekt My Ocean Sampling Day nahmen interessierte BürgerInnen am 21. Juni 2016 Wasserproben, anhand derer eine Momentaufnahme der Mikroorganismen (Bakterien) an deutschen Meeresküsten und Mündungsflüssen kreiert und diese mittels Open Access frei zur Verfügung gestellt wird. Dafür wurden 1000 MyOSD Sampling Kits an Teilnehmer verschickt, die für eine möglichst fehlerfreie Entnahme der Wasserprobe sorgen sollten. Dr. Julia Schnetzer ging in ihrem Vortrag und in ihren Antworten zu den Fragen aus dem Publikum und auf die Herausforderungen in ihrem Projekt ein wie Datenqualität und Biopiraterie als auch die bislang fehlende Finanzierungsmöglichkeit von Citizen Science Projekten.

Dr. Arndt Pechstein stellte in seinem Vortrag die Vorteile von Citizen Science bei Innovationsprozessen dar. Biomimicry Germany organisiert hierfür regelmäßig Workshops, in denen Wissenschaftler und Interessierte mit unterschiedlichen Hintergründen und Erfahrungen in Teams zusammenarbeiten und gemeinsam Prototypen zu relevanten Problemen z.B. nachhaltige Architektur, Verpackung oder Mobilität entwickeln.

SprecherInnen & Moderator bei Science&People #2: Citizen Science - Open Science for citizens. v.l.n.r. Dr. Julia Schnetzer, Dr. Arndt Pechstein, Dr. Lisa Pettibone und André Lampe
SprecherInnen & Moderator bei Science&People #2: Citizen Science – Open Science for citizens. (v.l.n.r.) Dr. Julia Schnetzer, Dr. Arndt Pechstein, Dr. Lisa Pettibone und André Lampe

Das Feedback der TeilnehmerInnen hat uns gefreut. Sowohl das Format des Abends mit den Kurzvorträgen und Rückfragen des Publikums auf Karten, als auch die Qualität der Beiträge der ReferentInnen kam beim Publikum sehr gut an und viele der Besucher nutzen die Gelegenheit, sich noch weiter vor Ort miteinander auszutauschen und über das Thema zu diskutieren.

Citizen Science ist nur eine der zahlreichen Möglichkeiten und Wege, Wissenschaft weiter für die Öffentlichkeit zu nutzen. Wie dies sonst noch geschehen kann, möchten wir Ihnen bei den kommenden Veranstaltungen von Science & People zeigen und mit Ihnen diskutieren. Wir freuen uns auf Ihren Besuch!


0138b785c0e9fea6b8fde293684a8ead_400x400 Dies ist ein Gastbeitrag von Thorsten Witt. Thorsten übernimmt bei Wissenschaft im Dailog die Projektleitung für das Online-Portal www.wissenschaftskommunikation.de, Sciencestarter, Bürger schaffen Wissen, Hack Your City, Hochschulwettbewerb, VERS. Weil Wissenschaft so vielfältig ist, braucht es auch eine Vielzahl von Kommunikationsformaten, um für jedes Thema, jede Ziel- oder Interaktionsgruppe und jeden Typ Wissenschaftler das geeignete Format parat zu haben. Inspirieren lässt Thorsten sich  bei der Ideenentwicklung vor allem von der digitalen Szene, schaut sich aber auch in anderen Feldern außerhalb der Wissenschaft und Wissenschaftskommunikation um. Sein Ziel: noch mehr Menschen den Zugang zu Wissenschaft zu ermöglichen und dabei Pseudowissenschaften und Verschwörungstheoretikern den Nährboden zu entziehen.

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